Wissenswertes zur Blutgerinnung – wie funktioniert das?

In den letzten Jahren hat sich die medikamentöse Therapie der Gerinnungshemmung revolutioniert. Der althergebrachte Wirkstoff Phenprocoumon (Marcumar®) wurde weitgehend verdrängt durch neue Gerinnungshemmer, die ebenfalls in Tablettenform angewendet werden. Die schwierige Steuerung der Dosis, die eine regelmäßige Überwachung des Quick-Werts als Gerinnungszeit erforderte, der langsame Wirkungseintritt sowie das langsame Abflauen nach dem Absetzen, das sich über mehrere Tage erstreckt, ist so hinfällig geworden. Gerade die Wirkstoffe Rivaroxaban (Xarelto®) und Apixaban (Eliquis®) haben einen wahren Siegeszug angetreten. Sie gehören auch als NOAK (Neue Orale Anti-Koagulantien) bezeichnet.

Die Gerinnungskaskade
Die Blutgerinnung ist ein hochkomplexes System, das aus zwei Komponenten besteht. Eine Komponente besteht aus den Blutplättchen. Die andere Komponente besteht aus im Blut gelösten Faktoren, die im Falle einer Verletzung fest werden und für einen Wundverschluss sorgen. Im Blut befinden sich die Blutplättchen, in der Fachsprache „Thrombozyten“ genannt. Es sind spezielle Blutkörperchen, für die es in intakten Blutgefäßen keine Haftstellen gibt. Wird allerdings ein Blutgefäß verletzt, so treten die Blutplättchen in Kontakt zu Kollagenfasern im Bindegewebe. Dieser Kontakt aktiviert die Blutplättchen und sorgt dafür, dass sie sich an der Schadstelle anheften, miteinander verkleben und damit einen schnellen provisorischen Verschluss bewirken. Sie ziehen weitere Blutplättchen an und lösen im Blutplasma die zweite Komponente der Blutgerinnung aus. Diese besteht aus Faktoren, die im Blut gelöst vorliegen. Über eine komplizierte Kaskade werden dreizehn Gerinnungsfaktoren hintereinander aktiviert. Am Ende wird aus der löslichen Vorstufe Fibrinogen unlösliches Fibrin als eine Art Klebstoff aktiviert, das ein mechanisch stabiles Maschenwerk bildet und in das auch rote Blutkörperchen eingelagert werden. So wird am Ende ein fester, quervernetzter Thrombus gebildet, der die Wunde sicher verschließt. In einem fein austarierten Gleichgewicht halten sich im Idealfall blutgerinnende und gerinnungshemmende Stoffe und Mechanismen im Blut die Waage. Für Medikamente gibt es zwei Wirkansätze: Die Plättchenhemmer verhindern das Verklumpen der Blutplättchen. Die sogenannten Antikoagulantien hemmen die Bildung oder die Wirkung der Gerinnungsfaktoren im Blut. Ihre Wirkung ist sehr viel ausgeprägter, weil sie die die Ausbildung eines stabilen Wundverschlusses zuverlässig verhindern.

Warum greift man überhaupt in das System der Blutgerinnung ein?
Heutzutage gibt es einige Gründe, die Blutgerinnung zu drosseln. Bei Operationen werden Gefäße verletzt. Im Operationsgebiet entstehen in den betroffenen Gefäßen Verletzungen, die mit den oben beschriebenen Thromben verschlossen werden. Löst sich ein solcher Thrombus jedoch vom Wundgebiet ab und wird mit dem Blut weitertransportiert, so kann ein Gefäßverschluss in Form einer Lungenembolie, eines Schlaganfalls, eines Herzinfarkts oder einer Thrombose ausgelöst werden. Um diesen Erscheinungen vorzubeugen, werden Heparinspritzen nach einer Operation gegeben, die sich der Patient auch selbst spritzen kann. Heparin wirkt, wie auch die neuen Gerinnungshemmer, auf unterschiedliche Gerinnungsfaktoren im Blut ein. Die Wirkung setzt sofort ein und ist gut steuerbar. Nach Operationen beschränkt sich die Blutgerinnungshemmung auf einige Tage. In anderen Fällen ist jedoch eine Langzeitbehandlung nötig, die vorzugsweise nicht über Spritzen erfolgt.

Wann ist das eine Langzeitbehandlung erforderlich?
Patienten, die einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erlitten haben, werden vorbeugend behandelt, um das Risiko eines erneuten Infarkts zu verringern. Aber auch Patienten nach einer Stent-Operation, mit einer künstlichen Herzklappe oder mit Vorhofflimmern des Herzens werden mit Gerinnungshemmern behandelt. Fünfzehn Prozent aller Schlaganfälle sind auf Vorhofflimmern zurückzuführen. Bei dieser Art von Herzrhythmusstörungen verlangsamt sich der Blutfluss im Herzen so stark, dass sich Verklumpungen bilden können. Werden sie aus dem Herz ausgeschwemmt und ins Gehirn gespült, so können sie dort einen gefürchteten Schlaganfall auslösen. Die moderne Lebensweise begünstigt Gefäßschädigungen. So schädigt Bluthochdruck die Halsschlagader, zu hohe Blutfettwerte wirken negativ auf die Herzkranzgefäße, und Raucher verfügen oftmals über geschädigte Beinarterien.

Natürlicher Gefäßschutz
Wie immer stellt sich die Frage, womit wir das natürliche Gleichgewicht herstellen können. Die Omega-3 Fettsäure EPA bewirkt, dass das Blut besser fließt und Entzündungen im Gefäßsystem abklingen. Außerdem verbessern sich die Blutfettwerte. Die Mineralien Kalium und Magnesium entlasten den Blutdruck und verbessern den natürlichen Herzrhythmus. Q10 sorgt dafür, dass die energieversorgenden Zellen im Herzen besser arbeiten können. Alle Stoffe gemeinsam entlasten also das gesamte Adersystem inklusive unserer Herzpumpe

Mein besonderer Tipp: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung: Alle Gerinnungshemmer verstärken naturgemäß die Blutungsneigung. Verletzungen führen schnell zu ausgeprägten blauen Flecken und es kommt häufiger zu Nasenbluten. Vor Operationen muss immer ärztlich geprüft werden, ob und wann die Gerinnungshemmer abgesetzt werden.

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